Dear Klaus, vielleicht kennst Du jenes kleine Schild im Vorgarten, auf dem steht: „Friends welcome. Family only by appointment.“ Noch treffender ist in in Südafrika um diese Jahreszeit, da selbst Hausangestellte auf Urlaub bestehen, der Spruch, den man beim Öffnen der Haustür hierzulande im Dezember von sich gibt: „Hi! Excuse the mess, the maid is on holiday.“
Dass Familienmitglieder nur terminpflichtig antanzen dürfen, trifft gottlob an Weihnachten nicht zu. Stattdessen gilt, dass es nirgends schöner sein kann als im Familienschosse. (OK. Um ganz ehrlich zu sein, befänden wir uns sonst jetzt auf der MS Europa und würden die unchristlichen Gewässer rund um Thailand, Vietnam und Hongkong ansteuern.) Und so werden wir auch in diesem Jahr wieder an Heiligabend harmonisch vereint sein, das Abendmahl einnehmen und Geschenke öffnen.
Anderntags brechen wir dann nach Wellington auf. Nein, nicht in Neuseeland, das wäre zu weit und zu kalt, sondern eine Fahrtstunde nördlich von Kapstadt. Dort besitzen Schwägerin Candice und ihr Partner Jo die Weinfarm Lazanou, die gute und vor allem organisch einwandfreie Weine produziert. Ausserdem haben die ein ordentliches Wasserreservoir, so dass man bei 35° bis 40°C Lufttemperatur ständig Abkühlung findet.
Weil ich ja in einen griechischen Clan eingeheiratet habe, treffen wir dort am Weihnachtstag diejenigen Familienmitglieder wieder, die es sich entweder nicht leisten können, nach Arosa in den Schnee oder La Digue an den Puderstrand zu fliegen, oder nicht im Fehdezustand mit anderen Clanmitglieder sind. Alles in allem laufen dort über 30 Leutchen auf, im Alter von 3 bis 96 Jahren. Es passiert vieles an diesem Tag, aber langweilig wird es nie.
Sylvester feiern wir dann erstmals „on the estate”. Das hört sich doch richtig nobel an, was? Könnte man glatt auf Bütten drucken und an die Guttenbergs schicken! Realistisch ist es so, dass es hier in dem 20 Hektar grossen Gelände auf der südlichen Kaphalbinsel, wo wir seit vergangenem Jahr leben, ein Bootshaus gibt (aber keine Boote), das Anrainer benutzen dürfen. Da die Polizei in Südafrika aus unerklärlichen Gründen die schöne alte Sitte aufgegeben hat, grundsätzlich nie Alkoholkontrollen durchzuführen, nutzen in diesem Jahr bereits 50 Nachbarn die Chance, irgendwann nach Mitternacht per pedes nach Hause zu kommen.
In der Hoffung, dass im kommenden Jahr das unselige erste Jahrzehnt des neuen Milleniums, das uns zuviel Verdruss und Sorgen brachte, ein Ende findet, wünsche ich Dir ein gutes 2011!
Sincerely yours,
Thomas