Alle Artikel mit dem Schlagwort: Wirtschaft

Enteignungen auf dem kalten Weg – eine Bedienungsanleitung aus Südafrika

Manchmal entstehen Nachrichten eher zufällig. Und oft wird die Brisanz dann zunächst gar nicht erkannt. So geschehen mit einem Papier aus dem Ministry for Rural Development & Land Reform. Es datiert vom 30. Juli 2013, wird als Policy Proposal bezeichnet und trägt den unverfänglichen Titel Strengthening the Relative Rights of People Working the Land.   Ein brisanter Politik-Vorschlag , der bislang fast unbeachtet geblieben ist.   Das Papier ist auf der Homepage des Ministeriums (www.ruraldevelopment.gov.za) nicht verfügbar (allerdings auf der Homepage eines Institute for Poverty, Land and Agrarian Studies der University of the Western Cape (UWC): www.plaas.org.za). Es hätte wohl auch noch keine Beachtung gefunden, wenn es nicht Gegenstand eines Workshop geworden wäre, der im März 2014 stattgefunden haben muss. Denn am 2. April 2014 meldete sich die Transvaal Farmers Union (www.tlu.co.za) auf ihrer Homepage mit einem Beitrag über diesem Workshop zu Wort. Die führende afrikaans-sprachige Wochenzeitung Rapport (Auflage: ca. 200.000) griff  die Meldung auf und ein paar andere Medien berichteten, unter Bezugnahme auf Rapport, nun ebenfalls. Der Sturm blieb aber aus. Entrüstet hat sich bislang …

Südafrika überwindet Rezession dank Fussball-WM

Zuvor war die grösste afrikanische Volkswirtschaft drei Quartale in Folge geschrumpft Die südafrikanische Wirtschaft hat im dritten Quartal ihre ersten Rezession nach 17 Jahren Wachstum hinter sich gelassen. Nachdem die größte afrikanische Volkswirtschaft drei Quartale in Folge geschrumpft war, legte sie in den drei Monaten bis Ende September aufs Jahr gesehen um 0,9 Prozent zu. Dazu beigetragen haben vor allem die hohen Staatsausgaben im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2010. Zudem erholte sich aber auch das verarbeitende Gewerbe in den letzten Monaten. Bereits in den ersten sechs Monaten dieses Jahres setzte eine rege Bautätigkeit ein. Immerhin hat es sich die Regierung zum Ziel gemacht, innerhalb von drei Jahren 115 Mrd. Dollar in Infrastrukturmaßahmen zu investieren. So soll in Johannesburg eine Hochgeschwindigkeitsbahn gebaut werden, mehrere Stadien werden errichtet und Straßen modernisiert. Das hat der Wirtschaft des Landes in den vergangenen Monaten über die schwachen Exporte hinweg geholfen. „Die Baubranche war der Antriebsmotor“, bestätigt Dennis Dykes, Chef-Volkswirt bei Nedbank Group Ltd., der viertgrößten Bank des Landes. „Die Investitionen waren massiv.“ Für Südafrika geht es bei der Fußball-WM um sehr …

Ungleichheit und Wirtschaftswachstum: Südafrikas Wirtschaft vor globalen Herausforderungen

GIGA-Präsident Robert Kappel analysiert die aktuelle Entwicklung der südafrikanischen Wirtschaft in einem „GIGA Focus Afrika“. Seit dem Ende der Apartheid haben die Regierungen Nelson Mandelas und Thabo Mbekis tief greifende Wirtschaftsreformen durchgeführt und sich dabei auf die Entwicklung einer wettbewerbsfähigen Marktwirtschaft konzentriert. Die neue Regierung unter Präsident Zuma setzt diese Politik trotz zahlreicher Forderungen nach mehr Staatsinterventionismus fort. Die Mehrheit der Südafrikaner hat von dieser Wirtschafts- und Sozialpolitik profitiert. Die Zahl der Arbeitsplätze ist deutlich angestiegen, ebenso die Produktivitäten und die Einkommen. Der Bau von Häusern für die arme Bevölkerung, der Ausbau des Gesundheitswesens und des Bildungssektors und die gute Infrastruktur sorgten viele Jahre für nachhaltiges Wachstum. Ein neues „black enterprise“ und auch eine inzwischen breitere schwarze Mittelschicht sind entstanden. Aber: * Die globale Finanzkrise hat die südafrikanische Wirtschaft – trotz relativ geringer finanzwirtschaftlicher Verflechtung – nicht verschont. Der Einbruch der Exporteinnahmen, die Schließung von Firmen sowie Entlassungen von Arbeitskräften sind deutliche Krisensymptome. * Die neue Regierung unter Präsident Zuma versucht, durch ihre Geldpolitik und das Reformprogramm ASGISA die Weichen für eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit zu …

Südafrika: Zwischen Wirtschaftskrise und Weltmeisterschaft

Seit der Veröffentlichung der Wachstumszahlen im Mai ist es amtlich: Afrikas größte Volkswirtschaft ist in die schlimmste Rezession seit siebzehn Jahren geschlittert. Allerdings mehren sich schon erste Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung. Und auch die Fußball-WM im nächsten Jahr wird positive Auswirkungen auf die Volkswirtschaft des Gastgeberlandes haben. Die globale Wirtschafts- und Finanzkrise hat auch vor Südafrika nicht Halt gemacht. Die exportorientierte Bergbau- und Automobilindustrie erlitt starke Einbrüche, und angesichts einer hohen Schuldenbelastung der Haushalte und steigender Arbeitslosigkeit schwächelt auch der private Konsum. Seit der Veröffentlichung der Wachstumszahlen im Mai ist es amtlich: Afrikas größte Volkswirtschaft ist in die schlimmste Rezession seit siebzehn Jahren geschlittert. Allerdings wird diese Rezession in ihrer Länge und Tiefe nicht mit den Rezessionen der 80er und 90er Jahre vergleichbar sein. Denn sie ist vor allem durch externe Faktoren und keine heimische soziopolitische Krise verursacht worden. Zudem gibt es schon erste positive Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung. Die starken Zinssenkungen der letzten Monate von rund 4,5% sowie fiskalische Stimulierungsmaßnahmen werden so zu einer Belebung des Wachstums schon in der zweiten Jahreshälfte beitragen. Nichtsdestotrotz …