Alle Artikel mit dem Schlagwort: Ulf Kaschl

Südafrika: Mord nach Sonnenaufgang oder Die Schule des Überlebens

Unzählige Tierfilme bringen die Jagd von Raubkatzen ins heimische Wohnzimmmer. Mit aufwendiger Technik wird Löwe und Co. nachgestellt, um die dramatischen Szenen – je nach Qualität des Senders oder Anspruch der Produktionsfirma – informativ, trashig oder sensationsheischend aufzubereiten. Eine Gepardenjagd in freier Wildbahn, live und ungeschnitten, beeindruckt allerdings vor allem durch die Abwesenheit jeglicher Narrative. Es ist kurz nach halb acht Morgens. Die letzten rosa Schimmer verschwinden aus dem stetig tiefer werdenden Blau des Kalaharihimmels. Die Nacht war frisch, auf unserem Zelt lag Tau. Langsam nur wird es wärmer. Schweigend tuckern wir mit 27 Käfer-PS durch den Kgalagadi Transfrontier Park. Im Grenzgebiet von Südafrika und Botswana gelegen, ist er einer der größten zusammenhängenden Naturresevate der Welt. Trotz seiner Größe ist der Park wenig besucht. Seine Abgeschiedenheit und die rustikale Infrastruktur machen ihn für die großen Touristikanbieter eher uninteressant, und wer privat hierher will, muss im Great Karoo Meilen fressen. Die Landschaft karg, die roten Sanddünen bieten dem Auge wenig Tros. Flora und Fauna sind für ungeübte Augen weit weniger üppig als beispielsweise im Krüger Nationalpark. …

Im Käfer durch Südafrika

Im Nordwesten Südafrikas gibt es einige bemerkenswerte Straßen. Schnurgerade und wenig befahren, zerteilen sie die bizarre Landschaft aus Mondgeröll und rostbraunen Kegelbergen in Links und Rechts. Das Fahren ist entspannt, das Auge hat Zeit zum Wandern, genau wie die Gedanken. Der Horizont ist weit, der Himmel blau. Eine besonders schöne Strecke finde ich immer wieder die R 27, die man im Prinzip von Kapstadt bis nach Keimoes fahren kann, also fast 1000 Kilometer vom Grün des Kaps bis in das trockene Herz Südafrikas. Nach unserer ersten Etappe haben wir ein bisschen an Zuversicht in unseren Käfer gewonnen. Trotzdem versuchen wir, früh morgens in Nieuwoudtville los zu kommen, um der drohenden Überhitzung und einer resultierenden Kolbenschmelze vorzubeugen. Das fahle Morgenlicht fängt sich in vereinzelten Grasbüscheln, flach breitet sich die Ebene des Great Karoo vor uns aus. Das wir fast 1000 Meter hoch sind, merkt man nur an der klarkalten Luft und einem leichten Kopfschmerz, der aber auch auf die Gin Tonics des vergangenen Abends zurückzuführen sein könnte. Bis spät in die Nacht (das bedeutet: bis etwa …

Südafrika – es muss nicht immer Garden Route sein

Spiegel-online listet die Garden Route als ein der schönsten Roadtrips der Welt. Schön, dass Südafrika vertreten ist – aber es dürfte ja gerne auch mal etwas Ausgefalleneres sein. So seltsam es klingt: Wer Kapstadt verstehen will, muss die Mother City verlassen. Muss den Speckgürtel der Vororte durchqueren, die Kornfelder und Weinfarmen der Agglomeration hinter sich lassen, und an irgend einer Stelle über einen Pass ins Landesinnere vorstoßen. Wer dort die Weite erfahren hat, welche die Perle am Meer von anderen spärlichen Zivilisationskristallen des Landes trennt, sieht die Metropole am Kap mit anderen Augen. [igallery id=“6896″]   Wir sind wieder unterwegs in Südafrika. Der offroad getestete Käfer ist bis unter das Dach voll gepackt: die Rückbank bleibt zu Hause, statt dessen finden zwei Reserverreifen und ein 20 Liter Benzinkanister irgendwie zwischen Zelt, Kleidung, Schlafsäcken und Isomatten Platz. Auf der N 7 geht es Richtung Norden, vorbei an Kornfeldern und durch das fruchtbare Citrusdal, wo ein kleiner Farmstall nach dem anderen mit hausgemachter Marmelade und frischen Früchten zum Anhalten einlädt. Grün ist es hier im Gewächshaus des …

Von Kapstadt nach irgendwo – Rent a Wreck

Das südafrikanische Roadworthy Zertifikat ist so etwas wie der deutsche TÜV, und ohne diese Plakette dürfte hier kein Auto unterwegs sein. Trotzdem sieht man in und um Kapstadt viele Fahrzeuge, die eher von der guten Hoffnung der Benutzter zusammen gehalten werden, als von den Gesetzen der Mechanik. Für den preisbewussten Reisenden bieten einige Autovermietungen uralte Autos an, deren Sicherheitsstandards sicher nicht mit den Vorstellungen der meisten westlichen Touristen übereinstimmen. Aber mit ein bisschen Risikobereitschaft, einem Leatherman und etwas Draht im Gepäck bekommt man selbst einen alten VW Käfer über die anspruchsvollsten 4 x 4 Pisten. Wer in Südafrika unterwegs sein will, braucht in der Regel seine eigenen vier Räder. Zwar existieren inzwischen ordentliche Bus- und Zugverbindungen, die dem Individualreisenden genehm sind. Doch erreicht man die schönsten Stellen des Landes meist nur, wenn man vielbefahrene Strecken hinter sich lässt, und auf eigene Faust auf Entdeckungsreise geht. Und das fantastische Freiheitsgefühl des klassischen roadtrips gehört nun mal zu Südafrika wie braai und biltong. Eine preisgünstige Alternative zu den teuren und etablierten Autovermietern bieten kleine lokale Vermieter, die …

Kapstadt für Weinfreunde: Dine and Wine-Tipp

Ein Besuch der Winelands ist zweifelsohne ein „must“ für Kapstadt Reisende. Doch wie an vielen anderen touristischen Hotspots dieser Welt ist es inzwischen auch hier schwierig geworden, echte Klasse zu finden und schlechte, aber gut beworbene Angebote zu vermeiden. Allzuoft wird eine Tour auf ein Weingut durch den Eindruck getrübt, als Bezahlvieh durch die künstlich romantisierte Anlagen getrieben zu werden. Doch zwischen den beliebteten tourist traps der Cape Winelands gibt es immer noch viele unentdeckte Juwelen. Einer dieser Orte hat es mir besonders angetan: die Muratie Estate. Daran ist einerseits die Qualität des Weines schuld, der hier angebaut und gekeltert wird. Andererseits hat Muratie viel Kapgeschichte zu bieten – und der kann man mit jedem Schluck unter den schattenspendenden Bäumen des Gutsgartens mit Blick auf den Tafelberg nachfühlen. [igallery id=“6835″]     Keine 45 Minuten fährt man von Downtown Kapstadt nach Muratie, das, auf halbem Weg zwischen Stellenbosch und Paarl gelegen, sich an den Fuß der Simonsberge schmiegt. Der Gründer Lourens Campher allerdings, musste gegen Ende des 17. Jahrhunderts jedes Mal drei Tage laufen, um …

Wer in Südafrika sehenden Auges unterwegs ist – Autor Ulf Kaschl aus Kapstadt

Wer in Südafrika sehenden Auges unterwegs ist, dem stellt sich irgendwann unweigerlich die Frage, ob die Realität unserer Welt ertragbar sei. Was in Deutschland meist noch als theoretisch-philosophische Fingerübung durchgeht, ist hier nämlich tägliche Konfrontation: Kann ich mich an Natur, Konsum und Dolce Vita erfreuen, wenn an jeder Ecke Straßenkinder um Essen betteln, und hinter dem Hotelzaun der Slum beginnt? Kann ich die Ungerechtigkeit der Welt ertragen, und noch einen Cappuccino trinken, während auf der anderen Straßenseite ein Bergie seinen Lebensunterhalt aus der Mülltonne fischt? [igallery id=“6816″]   Wer sich als Tourist über südafrikanische Zustände entgeistert, ist letztlich aber nur Opfer der eigenen Naivität. Ein schwarzer Mann steht an der Straße nach Kommetjie, um seinen Nacken hängt eine Reklametafel: Sale! Italian Clothing, New and Used. Es ist irre heiß, die Sonne knallt auf den Asphalt, der Mann steht reglos, stundenlang. Die Autos zischen vorbei, der Luftzug bringt das Schild jedes Mal ins Schwanken. Tag für Tag steht er da, wir fahren auf dem Weg zum Surfen, zum Einkaufen, zum Restaurant an ihm vorbei. Jedes Mal …