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Aids in Südafrika: Die „Lustseuche“ und das Schweigen unserer Kirche

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hippler_muenAm 14.04.2011 fand im Maximilianeum in München im Rahmen des „Roten Salons“ eine Buchlesung (Gott, Aids, Afrika) mit dem katholischen Pfarrer Stefan Hippler statt.

Die Moderation übernahm Franz Maget (MdL), Vizepräsident des Bayerischen Landtags.

Die ursprüngliche Planung war, die Veranstaltung im Lesesaal des Maximilianeums durchzuführen. Aufgrund der Vielzahl von Interessenten für diese Buchlesung wurde kurzerhand die Veranstaltung im Plenarsaal des Bayerischen Landtags abgehalten.

Über viele Jahre hinweg war Stefan Hippler als Pfarrer der deutschsprachigen römisch – katholischen Gemeinde in Kapstadt, Südafrika, tätig. Durch seinen konsequenten und kompromisslosen Kampf ist er häufig unbequem. Die Kritik an „seiner“ katholischen Kirche, die weiterhin an der Ablehnung von Kondomen festhält, sorgte für Aufsehen. Die Deutsche Bischofskonferenz untersagte ihm Lesungen aus seinem Buch sowie öffentliche Auftritte. Mit der Lesung im Bayerischen Landtag setzte er sich mutig zum ersten Mal über das Verbot öffentlicher Auftritte hinweg. Seine berechtigte Kritik führte soweit, dass sein Vertrag mit der Deutschen Bischofskonferenz nicht verlängert wurde. Er ist kein Rebell, der seine Kirche verdammt. Im Gegenteil, er ist jemand der seine Kirche, die seine Heimat ist, liebt.

Stefan Hippler kämpft furchtlos und engagiert für seine Sache. Ein charismatischer Mann, der seine Mitmenschen in den Bann zieht. Er will den Menschen mit gutem Gewissen und der Rückendeckung seiner Kirche sagen dürfen „Ihr dürft Euch schützen“. Er wendet sich nicht grundsätzlich gegen seine „Kirche“, sondern er prangert deren Sexualfeindlichkeit an. In Anbetracht dessen, dass täglich alleine in Südafrika etwa 1.000 Menschen an Aids sterben, muss man auch die Realitätsverweigerung der katholischen Kirche ansprechen. Eigentlich ist es Christenpflicht Leben zu schützen.

Die Katholische Kirche verurteilt jedoch weiterhin den Gebrauch von Kondomen und predigt stattdessen „Seid enthaltsam“! Kondome habe etwas mit Sexualität zu tun. Aids wird als Lustseuche beschrieben und Sexualität ist verwerflich und schmutzig.

Stefan Hippler spricht an diesem Abend auch über den Tod des kleinen Fareed, der auf der Ithemba – Station des Kinderkrankenhauses Tygerberg, Kapstadt, liegt. Fareed, der an Aids im Endstadium erkrankt ist, hat noch einen Wunsch. Er möchte noch einmal Geburtstag feiern. Das Problem ist, er wird seinen nächsten Geburtstag nicht mehr erleben, er wird innerhalb der nächsten Tage sterben. Sein letzter Wunsch wird ihm erfüllt. Kuchen backen, Geschenke kaufen und den Tisch schmücken. Stefan Hippler sagt, das „Happy Birthday“ klang wie der Gesang des sterbenden Schwans. Nur mühsam konnte er seine Tränen verbergen, aber Fareed war glücklich. Nach einer Woche war er tot.

Enttäuschend war für ihn der Besuch, vor einigen Jahren, von fünf Weihbischöfen in Südafrika. Die Angst der Bischöfe vor der Berührung infizierter Kinder, die ihnen die Hände entgegen streckten, war nicht zu übersehen.

Er prangert aber nicht nur das Verhalten der katholischen Kirche an. In seinem Vortrag wird ebenso deutlich, dass kulturelle Hintergründe eine immense Auswirkung auf die HIV / Aids – Problematik haben. Ebenso die negative Vorbildfunktion führender Politiker, wie Jacob Zuma oder die ehemalige südafrikanische Gesundheitsministerin Mango Tshabalala – Msimang. Im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit HIV / Aids empfahl sie Naturheilmittel wie Knoblauch, Rote Beete und Olivenöl.

Und über allen Krankheitsfällen schwebt das Urteil „Stigma“ Die brutale Angst, ausgegrenzt und gebrandmarkt zu werden. Es sind immer die anderen die sich anstecken. Einem sozialen Todesurteil kommt es gleich, wenn es dann heißt: „Du gehörst nicht mehr zu uns“.


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