Dear Klaus, der Kapwinter ist im Kommen. In der vergangenen Nacht stürmte es, am Morgen war der Tafelberg mit dunklen Wolken verhangen, im Laufe des Vormittages fing es an zu regnen. Verglichen mit dem Winter in Deutschland, geschweige denn in Skandinavien oder Nordamerika, ist das natürlich gar nichts: wir im Kap kennen ja nicht einmal Frost und die Tage, an denen die Sonne scheint überwiegen immer. Viele Kapstädter ziehen die Wintermonate sogar vor: es ist viel öfter windstill und nicht so voll.
Das gilt natürlich nur für Bürger, die eine ordentliche Unterkunft haben; wer in einer armseligen Blechhütte leben muss, der fürchtet die Winterstürme besonders wenn es zu heftigen Niederschlägen kommt. Die Überschwemmungen in den Townships scheinen allerdings in den letzten Jahren nachgelassen zu haben. Vor dem Winter wird jetzt die Kanalisation gesäubert, so dass die Wassermassen abfliessen. Das ist nur eine der Verbesserungen der Stadtverwaltung, seitdem die Democratic Alliance (DA) vor fünf Jahren an die Macht kam. Damals nur mit einer mühsam zusammengeflickten Koalition, unter der neuen Bürgermeisterin Helen Zille. Der ANC versuchte alles, um diese Koalition zu torpedieren. Man konnte es einfach nicht verwinden, nicht mehr in ausnahmslos allen Provinzen und allen Städten am Rudere zu sein. Dabei hatte der ANC hier am Kap einen Sauhaufen hinterlassen. Zilles Vorgängerin, Nomaindia Mfeketo, weinte damals niemand eine Träne nach: in nur vier Jahren war es der Dame fast gelungen, Südafrikas schönste und älteste Stadt in den finanziellen Ruin zu treiben. Dafür wurde sie von ihrer Partei selbstverständlich belohnt: Mfeketo ist jetzt stellvertretende Parlamentspräsidentin. So läuft das nun mal in einer Kaderpartei!
Helen Zille übernahm im März 2006 und gewann bereits nach zwei Jahren den Titel “World Mayor of the Year”. Der ANC hatte bis dahin alles versucht, um sie zu neutralisieren. Das ging soweit, dass der damalige Provinzminister Richard Dyantyi erklärte, er werde das System ändern und die Bürgermeisterin zu einer Vorzeigefigur degradieren: fortan werde ein Exekutivkommitee die Stadt regieren, in dem ANC-Leute proportional vertreten seien. Erst als Zilles DA drohte, vor Gericht zu ziehen, einigte man sich auf einen Kompromiss. Setidem die DA den Provinzwahloen 2009 die Mehrheit im Westkap errang, ist das Thema vom Tisch. Und ab sofort regiert die Partei fast überall in dieser Provinz. (Siehe politische Landkarte bei www.news24 com/maps?year=2011)
Den Wählern wurde rasch klar, dass unter Helen Zille Kapstadt und Umgebung zu neuen Ufern aufbrachen. Diese Region wächst und wächst, die Arbeitslosigkeit nimmt langsam, aber stetig ab, der Schuldenberg ebenso. Die Kriminalität in den Innenstadt verzeichnete einen drastischen Rückgang. In vielen Townships sieht es noch immer erbärmlich aus, aber immerhin wird es auch hier besser, seitdem jedes Jahr Millionen in die Infrastruktur der Slums gepumpt werden. Solange der Zuzug aus dem Ostkap anhält, steht die Verwaltung auf verlorenem Fuss. Es ist schlichtweg unmöglich, genug Häuser und Wohnungen zu bauen, um den Zahlen der Neuzuwanderer gerecht zu werden und gleichzeitig die lange Warteliste zu verkürzen. Und wie reagierte das Wahlvolk auf die katastrophalen Zustände im Eastern Cape? Indem sie dem ANC 72 Prozent der Stimmen gab.
Dennoch herrscht hier nun gute Stimmung. Man ist generell optimistisch, was die lokale Zukunft angeht. Das jüngste Wahlergebnis wird noch mehr Leute anziehen, die gut betucht sind, sowohl aus anderen Regionen Südafrikas als auch aus anderen Ländern. Das wiederrum bedeutet, dass Stadt und Provinz höhere Bodensteuern einnehmen und die lokale Wirtschaft generell zunimmt. Was Arbeitslosigkeit und Kriminalität sinken lassen dürfte.
Kurzum: der Himmel am Kap ist jetzt blau – wettermässig und politisch.