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„Sincerely yours“, Briefe aus Kapstadt

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Vorsicht: "Kapstadt-Schwalben"Kapstadt liegt eben nicht nur in Südafrika, sondern auch voll im Trend! Und wo der hinfällt, da wächst kein Gras mehr, so möchte man meinen, wenn man jüngst die hektische, turbo-engagierte Lifestyle-XXL-Szene deutscher Kapstädter beobachtet, die regelmäßig zur Sommersaison über Kapstadt herfällt und dabei Hektik und Unruhe verbreitet.

Gerne bezeichnen sie sich selbst als „Schwalben“ die zwischen Deutschland und Südafrika pendeln und in eben ihrer, also der deutschen Community, ständig tolle Konzepte und tolle Ideen ausbrüten und sich gegenseitig damit beglücken und spätestens beim ersten Sundowner schon ganz besoffen von der eigenen Kreativität sind.

Da werden mal eben „pfiffige deutschsprachige Lifestyle Magazine mit relevanten Themen auf die Beine gestellt“, oder gar „Mission Statements“ zu neuen Portalen aufgesetzt, die „in ansprechender Ästhetik und in liebevoll-kritischer Haltung Informationen aus Politik, Lifestyle, Kunst und Kultur zu Kapstadt und Umgebung bieten“. Gewürzt wird der unausgegorene Kreativbrei mit Ratgebern, Tipps und Tricks und sogenannten „Advertorials“.

Zu dem Begriff „Advertorial“ bietet Wikipedia Aufklärung: Ein Advertorial – gebildet als Kofferwort aus engl. Advertisement (Werbung) und Editorial – oder auch Adverticle (zu Advertisment und Article) ist die redaktionelle Aufmachung einer Werbeanzeige, die den Anschein eines redaktionellen Beitrages erwecken soll.

Zu diesem Thema schrieb mir vor einiger Zeit der in Kapstadt lebende Journalist Thomas Knemeyer: Fast durchweg ist der Reisejournalismus inzwischen unehrlich geworden; alles wird gelobt, weil a) der Berichterstatter ja umsonst zum Ziel gebracht und dort fürstlich verköstigt wurde und b) bei negativer Berichterstattung ja nie mehr eine Anzeige kommt. Bei grossen deutschen Verlägen – ich weiß das aus erster Hand – basiert die Schreiberei seit Jahrzehnten auf purer Korruption, was aber nicht geändert wird, weil diese Sparten sprudelnde Geldquellen sind.
Ich würde gern eine Webseite starten, auf der offen und ehrlich jedes Reiseziel, jedes Hotel, jedes Restaurant beschrieben wird. Wenn etwas umsonst war, wird das sofort berichtet, tut aber gerechtfertigter Kritik keinen Abbruch. Wo der Kunde mies behandelt wird, der Service schlecht war, Versprechen nicht eingehalten wurden, schlagen wir knallhart zu. Und wo es uns richtig gut gefallen hat, wo der Preis klasse war, da gibt es natürlich grosses Lob. Wenn man sich da mal das Vertrauen der Leser erworben hat, könnte das ein grosser Erfolg werden.

Nun, aus diesem Gedanken ist zwar noch keine eigene Webseite geworden, aber ein Briefwechsel, aus dem wir in Zukunft hier immer wieder gerne zitieren wollen.


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