• Capetown-Online
  • Capetown-Online
  • Capetown-Online
  • Capetown-Online
Freitag, 03. September 2010
HOME LIFESTYLE Artikel

Kap der alten Namen

Die Besiedlung des Kaps lässt sich an seinen Namen ablesen. Die Sprachen der Bewohner, Afrikaans, Englisch, Deutsch und Xhosa, hinterließen Spuren und manch dramatische Geschichte.

„Tafelberg", schrie der Matrose, der als erster den markanten Felsklotz entdeckte, wenn der Segler nach monatelanger Fahrt aus Europa die Südspitze Afrikas erreicht hatte. „Tafelberg!" - dieser Ruf brachte dem Weitsichtigen eine Flasche Schnaps ein, seemännische Tradition bei der Kapumrundung. Tafel ist das niederländische Wort für Tisch, und einen gedeckten Tisch fanden die Seefahrer seit Mitte des 17. Jahrhunderts vor, wenn sie anlandeten. Die Geschichte des Kaps ist uralt, wenn man an die einheimischen Khoikhoi und die San denkt, die als viehzüchtende Nomaden in der Region lebten.

Die Geschichte des Kaps ist jung, wenn man mit dem Maßstab der Europäer misst, jung auch für die Muslime, die aus Indonesien, Indien und Ostafrika hierher verschleppt worden sind, ebenfalls jung, wenn es um die Besiedlung durch jene Afrikaner geht, die aus nördlicheren Regionen oder der östlich gelegenen Transkei kamen. Alle Maße haben ihre Gültigkeit, und alle, die sich am Kap niedergelassen haben, fühlen sich der Region zugehörig. In den Ortsnamen lässt sich die Siedlungsgeschichte mit ihren Phasen deutlich ablesen, und es zeigt sich an ihnen, dass Maßstäbe unterschiedliche Einheiten haben können. Wenig ist geblieben von den Khoikhoi und den San, fast nichts von den Portugiesen, vieles von den Niederländern, noch mehr von den Engländern, kaum etwas von den anderen Landessprachen. Afrikaans wird von vielen Schwarzen gesprochen, waren ihre Väter und Großmütter doch als Sklaven in eine Afrikaans sprechende Welt eingebunden. Durch das Afrikaans unterscheiden sich auch die Weißen untereinander, es ist die Sprache der „free burghers", jener ersten Siedler also, die sich von der Vereinigten Ostindischen Compagnie losgesagt und sich als Bauern ein eigenständiges Leben aufgebaut hatten. Zu ihnen gesellten sich aus Frankreich geflüchtete Hugenotten und Waisenmädchen aus den Niederlanden, die den ehemaligen Matrosen tüchtige Ehefrauen werden sollten. Aus diesem Potpourri entwickelte sich das Afrikaans, eine Sprache, von der sich die Englischstämmigen auch heute noch gerne distanzieren, weil sie den Bauern gehörte, eine Sprache auch, die modernen Niederländern wie mittelalterliches Niederländisch in den Ohren klingt. Die Regierung bemüht sich zurzeit um Ortsnamen in Xhosa oder Zulu, den beiden verbreitetsten der elf Landessprachen. Die Spuren der Kolonialisierung sollen verwischt werden; ein schwieriges Unterfangen, zumal in der Kapregion, deren Fundament nach dem Genozid an den frühen Einwohnern ein europäisches ist. Wer Niederländisch spricht, fühlt sich hier sprachlich zu Hause.

Das Afrikaans schimmert überall durch, es sind Orte wie Hoek van Bobbejaan und Oude Skip, Matroosfontein und Olifantsbaai; das Xhosa ist vorwiegend in den Townships erkennbar, Guguletu (Unser Stolz) und Nyanga (Mond) zeugen davon; die Engländer haben ihre Spuren in distinguierten Namen wie Scarborough, Bridgetown oder Pinelands hinterlassen. Viele Ortsnamen beflügeln die Fantasie: Wer war Constantia (die Tochter eines Gouverneurs), oder wurden auf Paarden Island wirklich Pferde gezüchtet? Wie sah Herr Parson aus (Parson's Nose), und hat Bakoven mit der brütenden Hitze zu tun? Es scheint manchmal hoch hergegangen zu sein an Bord der ersten Schiffe. Vielleicht lieferte ja jener Matrose eine Idee, der den Tafelberg als Erster gesichtet hatte und nun zufrieden und betrunken vor sich hin schwadronierte. Oder wie anders soll man sich erklären, dass der letzte Fels am Kap der Guten Hoffnung Plumpudding Rock heißt?!

 

Cape of Good Hope

Der südlichste Punkt der Halbinsel hieß nicht immer Kap der Guten Hoffnung. Der Portugiese Bartolomeu Diaz nannte es 1488 Cabo Tormentoso, stürmisches Kap. Ein Sturm war es, der ihn Richtung Osten segeln ließ, ohne hier anzulanden. Hätten die Portugiesen das Kap besiedelt, die Geschichte Südafrikas wäre anders verlaufen - kein von Katholiken kolonialisiertes Gebiet bildete später je Apartheidregime aus. König João II. von Portugal nannte es Cabo de Boa Esperança, als Zeichen der Zuversicht, dass nach der Umrundung dieses Felsens die Fahrt nach Indien gelingen werde. Aber auch der Seefahrer Diaz wird gewürdigt. Die Spitze unterhalb des Leuchtturms ist nach ihm benannt: Diaz Point.

 

False Bay

Valsbaai wird die „Falsche Bucht" auf Afrikaans genannt. Als Cabo Falso wurde sie vielen Seefahrern zum Verhängnis. Manche von ihnen dachten, sie hätten das Kap vor sich, und drehten zu früh nach Norden - wegen starker Strömungen ein oft tödlicher Irrtum. In der False Bay sank auch die „Birkenhead", das Schiff, bei dem zum ersten Mal der Ruf „Frauen und Kinder zuerst!" zu hören war.

 

Hout Bay

Um Baumaterial ging es hier, hout ist das niederländische Wort für Holz. Jan van Riebeeck notierte am 31. Dezember 1652 den Namen Hout-Baijken, Kleine Holzbucht, in sein Tagebuch. Der 33-Jährige war von der Vereinigten Ostindischen Compagnie (VOC) beauftragt worden, am Kap einen Gemüsegarten zu gründen, um den Seefahrern auf ihrem Weg nach Osten Proviant zu bieten. Heute ist Hout Bay ein Fischerort, der sich dem Tourismus öffnet.

 

Muizenberg

Eine militärische Außenstelle avancierte zum Winterlandeplatz der VOC im Jahr 1743. Möglicherweise war Sergeant Wynand Willem Muijs der Namensvater. Eine andere Erklärung: Der Khoikhoi-Stamm Moetjesons lebte an diesem Küstenstück. Aber auch dieser Name wäre holländischen Ursprungs - die Khoikhoi hatten unter den Niederländern wenig Chancen, ihre Kultur zu bewahren. Muizenberg ist ein legendärer Badeort.

 

Kalk Bay

Im 17. Jahrhundert wurde hier Muschelkalk verarbeitet, um mit ihm die Häuser in Kapstadt zu verputzen. Ein Jahrhundert später errichteten die Walfänger ihre Basis, und Kalkbaai wurde zu einem Zentrum der Fischerei. Noch heute ist der Hafen in Betrieb; manche Fischputzerin arbeitet in der dritten Generation an dieser Stelle.

 

Signal Hill

Die Bergspitze, um die sich heute ganz Kapstadt schmiegt, hatte schon viele Namen. Einst hieß sie Leeuwenbil, niederländisch für „Körper des Löwen". Ihr gegenüber liegt eine andere Spitze, der Löwenkopf. Zwischenzeitlich hieß der Berg auch King Charles Mount und wechselte dann zu King James Mount. Die Könige hatten aber keinen Bestand, und so kommt die ursprüngliche Bedeutung wieder zu Geltung: Auf dem Signal Hill wurden die Kanonen abgefeuert, die ankommenden Schiffen den Weg wiesen.

 

Macassar Beach

Obwohl er nicht der erste Moslem am Kap war, gilt Sheik Yusuf als Gründer der islamischen Gemeinde in Kapstadt. Geboren wurde er 1626 auf den süd-indischen Celebes-Inseln in eine hoch stehende Familie, sein Bruder war der Sultan von Macassar. Yusuf kämpfte in Batavia erbittert gegen die niederländischen Kolonialisten und wurde zur Strafe ans Kap verbannt, wo er 1694 mit 48 Angehörigen, darunter mehrere Ehefrauen, anlandete. Sheik Yusufs Grabstätte liegt hier, sie ist zu einem gepflegten Pilgerort geworden. Am Macassar Beach baden überwiegend Schwarze - die staatlich verordnete Trennung ist nominell aufgehoben, in der Realität aber noch immer vorhanden.

 

Skeleton Gorge

Die Geschichte ist traurig, wenn auch historisch nicht gesichert. Die Vereinigte Ostindische Compagnie nahm nicht nur Niederländer auf, es heuerten genauso viele Deutsche an, die gen Osten segelten. Einer von ihnen desertierte, nachdem er eine Sklavin befreit hatte. Das Liebespaar floh aus der kleinen Kapsiedlung hinauf auf den Tafelberg, wo man Jahrzehnte später ihre Skelette fand. Die Skeleton-Schlucht führt vom Botanischen Garten Kirstenbosch auf den Tafelberg. Der Garten ist ironischerweise nach dem ersten Holzfäller Kapstadts benannt: Johan Frederick Kirsten.

 

Waterkant

Die Waterkant war in der Tat über Jahrhunderte der Rand von Kapstadt. Durch Aufschüttungen wurde dem Meer in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts das Land abgerungen und damit die Stadt vergrößert. Viel Platz auf der Landseite war nämlich nicht, überall sind Tafelberg und Signal Hill im Weg. Heute stehen die Hochhäuser von Kapstadts Geschäftszentrum auf dem Neuland - nach Arbeitsschluss ein Ödland.

 

Ilandudno

Gern denken Unkundige, dass Llandudno ein Begriff aus der Sprache der Khoikhoi oder der Xhosa sei. Mitnichten: Der Ort ist nach einem Namensvetter in Wales benannt. Das Dorf hat sich mit einer eigenwilligen Methode seine Exklusivität bewahrt. Kein Restaurant oder Laden darf hier eröffnen - Privatheit für die Weißen ist das Motto. Schwarze betreten den Ort in der Regel als Dienstboten oder Reinigungskräfte.

 

Camps Bay

Was heute Wohnort der Reichen ist, begann mit einer Farm. Anna Wernich hieß die Bäuerin, die im 18. Jahrhundert hier lebte. Sie heiratete 1778 den mecklenburgischen Seemann Ernst Friedrich von Kamptz, der sich in Kapstadt zur Ruhe gesetzt hatte. Aus Kamptz wurde Camps, und die Farm teilte sich im Lauf der Zeit in Hunderte Grundstücke auf.

 

Saint James

1874 bauten die Engländer an dieser Stelle die Saint-James-Kirche, einige hundert Meter von dem Fischerort Kalk Bay entfernt. Saint James entwickelte sich zu einem beliebten kleinen Seebad für die Briten. Viktorianisch sind auch die bunten Badehäuschen, die um das Gezeitenbecken gruppiert sind. Während der Jahrzehnte der Apartheid war Saint James ein Badeort für Weiße.

 

Victoria & Alfred Waterfront

Prinz Alfred war ein tatkräftiger Mann. Der Sohn Königin Victorias ließ 1860 eine Wellenbrechermauer und geschützte Hafenbecken vor der Stadt erbauen, die seinen und den Namen seiner Mutter tragen. Bis dahin war van Riebeecks Landungsbrücke verwendet worden. Bequem war das allerdings nicht gewesen - in kleinen Booten musste die Ware an Land gerudert oder, schlimmer, von Sklaven durch das kalte Wasser geschleppt werden. Über der Waterfront thront das Wahrzeichen der Stadt: der Tafelberg. Die Portugiesen nannten ihn Taboa de Cabo. Der Name der einheimischen Khoikhoi allerdings entsprach eher dem Blick der Seefahrer. Hoeri 'kwaggo hieß er bei ihnen - Meeresberg.

 

Khayelitsha

Die Xhosa sind die größte Bevölkerungsgruppe im westlichen Südafrika, Nelson Mandela ist einer von ihnen. In ihrer Sprache bedeutet Khayelitsha „Neue Heimat". Der Begriff verdeutlicht, wie zynisch während der Apartheid gedacht wurde. 1983 wurden obdachlose Xhosa hier zwangsangesiedelt. Das Gebiet wächst unaufhörlich, die Besiedlung reicht bis zu den Dünen, nur eine Straße trennt sie vom Meer. Khayelitsha ist das größte Township Kapstadts, die Angaben zur Einwohnerzahl schwanken zwischen 800000 und zwei Millionen. Die Regierung bemüht sich um den Bau fester Häuser und die Installation von Strom und Wasser. Die Situation ist aber nach wie vor katastrophal. Der Strom der Zuwanderer aus anderen afrikanischen Ländern reißt nicht ab und verschlimmert das Problem beständig.

Artikel: Zora del Buono, 16. Januar 2006

Diesen Artikel veröffentlichen wir mit der freundlichen Genehmigung von maredie Zeitschrift der Meere.

Mehr Info: www.mare.de

[ Top ]

 
Aktuelle Immobilienangebote:

Kurs

Kursdaten von GOYAX.de

Newsletter

CAPETOWN-ONLINE NEWSLETTER
Anti-SPAM-Frage: 2 x 2 = ?
Name:
Email:

Wetter

Wetter für Cape Town
Fair Sunny Mostly Sunny
18C 19C 20C
Fr Sa So
Fair Sunny Mostly Sunny

Webcam

Kapstadt

Top-Immobilien

BEEINDRUCKENDES ANWESEN IN TOP ZUSTAND
BEEINDRUCKENDES ANWESEN IN TOP ZUSTANDReferenz-Nummer: BA-Paarl Kaufpreis ZAR: auf Anfrage Lage: Paarl Grun...
ULTRA MODERNES HAUS VON STARARCHITEKTEN
ULTRA MODERNES HAUS VON STARARCHITEKTENReferenz-Nummer: DG-FRE020234 Kaufpreis ZAR: 100,000,000.00 Lage: Fre...
UNGEWÖHNLICHES DESIGN MIT FELSEN-POOL
UNGEWÖHNLICHES DESIGN MIT FELSEN-POOLReferenz-Nummer: SE-203907 Kaufpreis ZAR: 11,995,000 Lage: Camps Bay ...

Neue Immobilien

EIN HAUS AUS GLAS, SCHWEBEND ZWISCHEN MEER UND BERGEN
EIN HAUS AUS GLAS, SCHWEBEND ZWISCHEN MEER UND BERGENReferenz-Nummer: DG-CB020353 Kaufpreis ZAR: 29,000,000.00 Lage: Camps...
BEEINDRUCKENDES ANWESEN IN TOP ZUSTAND
BEEINDRUCKENDES ANWESEN IN TOP ZUSTANDReferenz-Nummer: BA-Paarl Kaufpreis ZAR: auf Anfrage Lage: Paarl Grun...
STILVOLL, ANSPRUCHSVOLL UND EINFACH SMART
STILVOLL, ANSPRUCHSVOLL UND EINFACH SMARTReferenz-Nummer: DG-CB020274 Kaufpreis ZAR: 7,500,000 Lage: Camps Bay...
capetown_online_immobilien
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
Initiative Netzneutralitaet