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Koensrust, 300 Kilometer östlich von Kapstadt

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KoensrustDear Klaus,

leider hat sich in Südafrika die Unsitte durchgesetzt, dass man fast überall pro Kopf bezahlen muss, nicht pro Haus. Wenn man eine vierköpfige Familie hat, kommt man unter tausend Rand am Tag nicht weg, und hat dabei noch kein Häppchen am Mund gehabt, wie meine selige Tante Mia zu sagen pflegte.

Wirklich traurig wird das in den zwei Dutzend Nationalparks. Diese Naturreservate sind im neuen Südafrika für Arbeiterfamilien unerschwinglich geworden. Beispiel Krüger-Nationalpark: wenn ich mit meiner Familie (zwei Erwachsene, drei Kinder) eine Woche in einem der 26 Camps im Kruger verbringen will, kostet uns das R 1400 pro Tag – ohne Lebensmittel, Benzin und andere Ausgaben. Wir brauchen dabei nicht einmal die tägliche Umweltgebühr zu zahlen, weil wir eine Wildcard haben (575 Rand pro Jahr für einheimische Familien). Ohne Wildcard wären sonst nochmals täglich pro Kopf 45 Rand fällig. Ausländer zahlen übrigens das Vierfache, 180 Rand pro Tag.

Früher war das anders. Fast jede Familie konnte es sich leisten, einmal im Jahr ausgiebig den Krügerpark zu besuchen. Die Unterkünfte waren einfach, die Eisenbetten quietschten, die Vorhänge waren vergilbt – aber niemand führte Beschwerde, weil es eben für alle erschwinglich war. Heute? Wenn Du Südafrikaner treffen willst, muss Du Dich sofort auf den Campingplatz begeben; nur da findet man sie noch. Im Klartext heisst das: die meisten Einheimischen werden in ihrem Leben wohl nie einen Elefanten in freier Wildbahn sehen.

Da wir immer, wenn die Schulglocke die Ferien einläutet, mit dem Auto irgendwo hinfahren wollen, bin ich permanent auf der Suche nach billigen und schön gelegenen Gästehäusern und Farmhäusern, die weniger als 500 Rand pro Tag kosten und in denen auch eine Grossfamilie bequem Platz findet. Ich darf Dir heute mitteilen, dass wir soeben von einem solchen Platz zurückgekehrt sind.

Die Farm heisst Koensrust und liegt etwa 300 Kilometer östlich von Kapstadt, direkt am Meer. Man wohnt entweder in einem geräumigen Cottage, etwa ein Kilometer vom Strand entfernt oder im sogenannten Beach Shack am Wasser und zwar pieds dans l’eau: bei Flut schwappen die Wellen praktisch an die Hausmauer. Halt Dich fest, Junge: das Cottage kostet werktags 285 Rand, das Strandhaus (mit vier separaten Schlafzimmern!) 513 Rand. Aber klar, dass wir Anfang Dezember schon wieder da sind: dann ist das Meer warm genug zum Baden und bei Ebbe haben die Kids einen Heidenspass daran, in den Felstümpeln nach Fischen, Seesternen und Oktopus zu suchen. Und obwohl Strände in Südafrika (gottlob) Allgemeingut sind, hat man den 2.5 Kilometer langen Strand praktisch für sich, denn nur von der Seeseite her könnte andere Leute da landen. Was nie passiert. Überzeuge Dich selbst: www.koensrust.co.za

Sincerely yours,

Thomas


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