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Kapstadt vom Strand aus betrachtet

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Kapstadt vom Strand aus betrachtetDear Klaus, ich sitze am Strand und kann bestätigen, was Francis Drake vor 431 Jahren in sein Logbuch schrieb, als er auf der letzten Etappe seiner Weltumsegelung zum ersten Mal die Kapspitze sah: „Eine wahrhaft stattliche Sache, das schönste Kap, das wir im Erdumfang sahen.“

Es ist fast windstill, bei 29°C. Der Strand in Noordhoek ist gleissend hell, der Sand fein, das Wasser des Atlantiks türkisblau. Zwei junge Frauen juchzen bodysurfend in der seichten Brandung und geben sich ein Küsschen, als sie schliesslich aus dem Wasser kommen. Als ich den Strand verlasse, kommt mir eine Familie entgegen: zwei Mütter und zwei Jungs, vielleicht acht Jahre alt, Arm in Arm, der eine weiss der andere schwarz. Etwas weiter spielt eine Gruppe von Frauen und Männern Beach-Rugby, dazwischen toben Hunde. Hochsommer 2011: Kapstadt zeigt sich von seiner besten Seite.

Während mehrere Regionen Südafrikas von Überschwemmungen heimgesucht werden, die bereits 120 Tote gefordert und Milliardenschäden ausgelöst haben, während in Australien Land unter herrscht und im Norden der USA Kältegrade von bis zu minus 30°C gemessen werden, ist hier am Kap der guten Hoffnung alles so wie es immer war: von Klimawandel keine Spur. Je länger ich hier lebe, desto deutlicher wird mir bewusst, dass wir – „the people of the deep south“ – vermutlich das beste Klima der Welt geniessen. Über das ganze Jahr betrachtet, erleben Kapstädter weder klirrenden Frost noch Bullenhitze, weder Feuersbrünste noch Fluten, weder Erdbeben noch verheerende Stürme. Wer ein gut isoliertes Haus besitzt, muss schlimmstenfalls im Juli und August heizen.

Nur der Südostwind, besonders im Dezember und Januar, kann einem richtig auf die Nerven gehen! Andauernd knallen Türen zu, dass der Putz rieselt, manchmal kann man minutenlang sein Auto nicht verlassen, weil der „Kapdoktor“ bläst wie verrückt. Wenn das mal drei, vier Tage lang anhält, liegen die Nerven der Einheimischen blank. Ich vermute aber, dass es der Wind ist, und die einmalige Lage an der Spitze eine Kontinents, die unser wunderbares Mikroklima so beständig sein lässt. Schon 50 Kilometer landeinwärts ist das anders: in Franschhoek und in Wellington wird es jetzt oft irre heiss, in Clanwilliam erlebten wir vor drei Wochen 47°C im Schatten.

All das dürfte Dich, lieber Klaus, sehr freuen. Denn wenn es ja stimmt, was die Klimaforscher uns prophezeien, wird es in Zukunft viele Städte geben, in denen die Menschen, die es sich leisten können wählerisch zu sein, nicht mehr leben wollen. Die Immobilien auf der Kaphalbinsel zwischen der V&A Waterfront und Kommetjie würden dann zu den begehrtesten der Welt gehören.

Dazu demnächst noch etwas mehr. Jetzt habe ich ein gutes Buch in der Hand und Jasper, der Dackel, sieht mich schon wieder auffordernd an: auf zum Strand.

Sincerely yours,

Thomas


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