
Mit “Sommer des Lebens” gewährt uns J. M. Coetzee Einblick in seine entscheidenden Lehrjahre als Schriftsteller. Aus Amerika zurückgekehrt, tuscheln die Verwandten hinter seinem Rücken: “Warum lebt er nur wieder hier in Südafrika bei seinem Vater und betoniert den Hof?” Den Kopf voll mit Büchern und wilden Plänen, eine akademische Karriere, die nicht ins Laufen kommt, eine verheiratete Frau, die von dem rätselhaften Langhaarigen fasziniert ist, eine brasilianische Tänzerin, deren Tochter Nachhilfe braucht, schließlich die Cousine Margot und ein missglückter Ausflug ins Veld, der großen offenen Steppe, in der die Coetzees schon immer ihr Vieh hüteten.
Voller Ironie und Witz dreht der Autor die Erzählperspektive um: Nicht er schildert die Geschichte, sondern ein junger Autor, der ihn nie kennen gelernt hat, aber nun an seiner Biographie schreibt. Um Stoff zu gewinnen, interviewt er die Frauen dieses Sommers. Auf seinem Tonband sammeln sich ungeschminkte Porträts eines Künstlers als junger Mann, der über sein eigenes Begehren stolpert, aber schließlich die Stimme findet, deren Unbestechlichkeit wir so bewundern. “Sommer des Lebens” ist der dritte Band von Szenen aus einem provinziellen Leben, der seit 1998 erscheinenden Folge autobiographisch geprägter Bücher: “Der Junge” und “Die jungen Jahre”.
Über den Autor
J. M. Coetzee, der 1940 in Kapstadt geboren ist und von 1972 bis 2002 als Literaturprofessor in seiner Heimatstadt lehrte, gehört zu den bedeutendsten Autoren der Gegenwart. Er wurde für seine Romane und sein umfangreiches essayistisches Werk mit vielen internationalen Preisen ausgezeichnet, u. a. zweimal mit dem Booker Prize, 1983 für “Leben und Zeit des Michael K.” und 1999 für “Schande”. 2003 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen.
Coetzee lebt seit 2002 in Adelaide, Australien.
J.M. Coetze
Sommer des Lebens (Roman)
Aus dem Englischen von
Reinhild Böhnke
Gebunden 304 Seiten
EUR 19,95; sFr 34,90 (UVP)
ISBN 978-3-10-010835-7
(2010; Orig. 2009 unter dem Titel “Summertime”)