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Dalla Cia – Italienischer Spirit am Kap

Wer heute von südafrikanischen Weinen schwärmt, schwelgt gern in Erinnerungen an gehaltvolle, ausdrucksstarke und dennoch elegant strukturierte und ausgereifte Rotweine. In vielen Weingazetten, auf Websites und in Marketingbroschüren liest man, dass das Weinland Südafrika eine Brücke zwischen der Neuen und der Alten Weinwelt sei. Doch bis zum politischen Umschwung war es nur wenigen Weinmachern vergönnt, diese Brücke zu überqueren.

Zwei, denen das bereits 1985, also noch zu Zeiten der internationalen Sanktionen gelungen ist, waren Nico Myburgh, der Besitzer von Meerlust, und Giorgio Dalla Cia, ein italienischer Önologe, der 1974 in die Kapregion ausgewandert war. 1977 lernte er während seiner Tätigkeit als Kellermeister bei Bergkelder Nico Myburgh, Besitzer des Familienweingutes Meerlust, kennen. Er fand in ihm einen Verbündeten und begann bei ihm als Kellermeister tätig zu werden. Mit Nico Myburgh verband ihn die Vision, in der Kapregion große Rotweine nach europäischem Vorbild zu erzeugen. Nicos Motivation nährte sich aus den Erlebnissen im Rahmen einer Frankreichreise, als er geologische und klimatische Gemeinsamkeiten zwischen dem Eerste River Valley (Stellenbosch) und den Weinregionen rund um Bordeaux entdeckte. Giorgio hingegen war schon während seines Weinstudiums an der Scuola Enologica di Conegliano (Venice) häufig nach Bordeaux gefahren, um sich weiterzubilden.

Rückblickend sagt Giorgio, dass er bereits bei seiner Ankunft in der Kapregion vor nunmehr vierzig Jahren das weinbauliche Potenzials Südafrikas erkannt habe: „Kein Frost, kein Regen, kein Hagel – ich wusste sofort: Hier lassen sich Weine im Bordeaux-Stil erzeugen.“ Die Sonne allerdings, so Dalla Cia weiter, sei einerseits der größte Vorteil Südafrikas, für einen Weinmacher jedoch gleichzeitig auch die größte Herausforderung, denn es gelte, die optimale Reifung der Trauben zu managen und zu hohe Alkoholgrade zu vermeiden.

Im Jahr 1980 kreierten die Weinfanatiker Nico und Giorgio ihre erste Rotwein-Cuvée aus Cabernet Sauvignon (70 %), Merlot (20 %) und Cabernet Franc (20 %) und lagerten den Wein in 5.000-l-Fässern zur Reifung. Vor 30 Jahren gehörte das „Blenden“, d. h. die Vermählung unterschiedlicher Rebsorten zu einem Wein, noch nicht zum handwerklichen Repertoire eines südafrikanischen Kellermeisters. Gegenüber der Society News erzählt Hannes Myburgh, der heute das Weingut Meerlust in der achten Familiengeneration leitet: „Blending was a bit of a threat to winemakers, because they were going outside their comfort zone. It was a change of direction. I went to see a professor at Stellenbosch University, and he said that we had to call our wine Rubicon. This wine made a huge impact on South African wine, and it’s a wine that we’re very, very proud of.” Der Stellenboscher Weinprofessor verkostete diesen Wein und verglich seine neuartige Stilistik mit dem Überschreiten des Rubikons – eine Metapher, die auf die Überquerung des gleichnamigen italienischen Grenzflusses durch Julius Cäsar mit seinen Truppen während des römischen Bürgerkriegs 49 v. Chr. zurückreicht. Somit war der Name klar: „Rubicon was born“. Der Meerlust-Rubicon war jedoch keine Kriegserklärung gegenüber den europäischen Weinkollegen. Die Präsentation des ersten Jahrgangs in den Jahren 1984/85 in internationalen Weinkreisen, war für die Südafrikaner eher wie ein Befreiungsschlag gegen die strengen Auflagen und Vorgaben des damaligen Weindogmas. Der Meerlust Rubicon war auch einer der ersten Rotweine vom Kap, der in Europa – trotz der politischen Sanktionen – auf Interesse stieß und für Furore sorgte.

Viele Südafrikaner würdigen den hohen Status des Rubicons deshalb nicht nur aufgrund seiner besonderen Qualität, sondern auch aufgrund der Tatsache, dass er als mit die erste herausragende Rotwein-Cuvée den Kapwinzern in einer schwierigen Zeit erstmals wieder zu Ruhm und Ehre verhalf. Auch wenn sich Weinkritiker weltweit über die Qualität der einzelnen Rubicon-Jahrgänge und über das Ranking dieses Premiumweines ereifern – unangefochten ist die Rolle von Giorgio Dalla Cia, dem Urheber des Rubicons. Er wird weltweit als einer der großen Weinpioniere geschätzt und als Weinlegende in der südafrikanischen Weinwirtschaft gewürdigt. Bereits 1980 wurde Dalla Cia zu South Africa‘s Champion Winemaker gekürt. 2006 folgte die Auszeichnung als Winemaker des weltweit besten Rotweinblends. Doch wer glaubt, dass der Protagonist dieser Erfolgsgeschichte sich inzwischen zur Ruhe gesetzt hätte, der irrt. Nach 25 Jahren „Meerlust“ startete Giorgio Dalla Cia – pünktlich zu seinem 60. Geburtstag – ein neues Abenteuer. Gemeinsam mit seinen Sohn George produziert er heute sechs Weine und vier hochwertige Grappas unter eigenem Namen: Dalla Cia.

In Pension zu gehen, ist dem vitalen Vollblutitaliener nicht in den Sinn gekommen: „When you go, it is the end! No! You die on the frontline!Frontline bedeutet für Dalla Cia u. a. Wein, Grappa und gutes Essen. Die Zubereitung des Essens gab er, wie in Italien üblich, in die weibliche Obhut des Clans: Elena, seine Schwiegertochter, und Simonetta, seine Angetraute, eröffneten 2007 in Stellenbosch das Pane E Vino  – Brot und Wein. In ihrer Wein- und Food-Bar verbinden sie italienisches Lebensgefühl mit dem Besten, was die Kapregion zu bieten hat. Dabei darf natürlich ein Affettati mist con mozzeralla fiordilatte (Prosciutto die Parma, Coppa, Salame Napoli und Mortadella Bologna mit Mozzarella) nicht fehlen. Zum Dessert gibt es Dalla Cia Grappa Eiscreme und einen Coretto – ein „korrigierter“ Espresso mit z. B. einem Single Varietal Pinot Noir Grappa.

Giorgio Dalla Cia verwirklichte in seiner neuen Heimat seit 1978 nicht nur seinen Traum von Bordeaux Blends, er verankerte in der Kapregion auch die hohe Kunst des Destillierens. Bereits 1929 hatte sein Vater Vittorio im Friaul eine Grappadestillerie gegründet und mit seinen noblen Tresterbränden weit über die Landesgrenzen hinaus für Furore gesorgt. Als in Südafrika 1994 die Wein- und Spirituosenproduktion liberalisiert wurde, schlug auch für Giorgio die Stunde, seine Familientradition aufleben zu lassen. Bereits 1996 brannte er bei Meerlust, nach bewährter norditalienischer Manier, die ersten Edelgrappas des Landes. Sein Sohn George begann bereits im Alter von 19 Jahren das Handwerk des Brennens bei ihm zu erlernen. Damals, so George, kannte man in Südafrika nur robuste und billige Branntweine. Demnach leisteten die Dalla Cias auch in diesem Sektor nachhaltige „Entwicklungsarbeit“. Sie vergoren frische gesunde Maische und Trester von Meerlust und von Vriesenhof. In mehrfachen Brennphasen erzeugten sie ein Destillat von betörendem Duft und sanftem Charakter. Bis heute gelten Dalla Cias Rebsortengrappas als das Feinste, was aus Südafrikas Brennblasen tröpfelt.

In seiner Passion des Weinmachens bezeichnet sich Giorgio selbst als „Terroirist“, inspiriert durch seine Ausbildungszeit in Frankreich. Er verwehrt sich jedoch, die Franzosen nachzuahmen, sondern rät – auch seinen Kollegen –, von ihnen zu lernen und sie „eines Tages zu schlagen“. Dalla Cias Ambitionen, mit großen Weinen das Terroir Südafrikas zu erobern, sein Bewusstsein für Tradition und sein Gespür für Innovation sind bis heute ungebrochen. In seinem jetzigen Weinportfolio ist der „Giorgio“ besonders spannend. In diesem komplexen und dennoch finessenreichen Bordeaux Blend spiegelt sich dank der 40-jährigen kap-italienische Weinpassion von Giorgio Dalla Cia die besonderen Stärken Südafrikas: Eine überzeugende Vermählung der „Neuen und der Alten Weinwelt“. Ein idealer Wein, um, anlässlich des Freedom Day am 27. April, dem 20-jährigen Jubiläum der Wahl von Nelson Mandela zum ersten Präsidenten des Landes, auf die menschlichen Besonderheiten des Weinlands Südafrika und seine bewegte Geschichte anzustoßen und dem Volk zu gratulieren.

Alle Dalla-Cia-Weine sind exklusiv beim Weinversand Vinexus zu beziehen: www.vinexus.de.

Weitere Informationen:  www.dallacia.com

Tipp für Stellenbosch-Urlauber: Besuchen Sie das Pane E Vino: Geöffnet von Montag – Samstag von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr (Samstags bis 17.00 Uhr). Adresse: 7A Lower Dorp Street, Bosman’s Crossing, Stellenbosch

Lesenswert: Christian Eedes über Dallas Cia 

Hier erleben Sie Vater und Sohn im Gespräch: Video mit Giorgio und George

Autor: Petra Mayer

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