Monate: Januar 2014

Südafrika: Mord nach Sonnenaufgang oder Die Schule des Überlebens

Unzählige Tierfilme bringen die Jagd von Raubkatzen ins heimische Wohnzimmmer. Mit aufwendiger Technik wird Löwe und Co. nachgestellt, um die dramatischen Szenen – je nach Qualität des Senders oder Anspruch der Produktionsfirma – informativ, trashig oder sensationsheischend aufzubereiten. Eine Gepardenjagd in freier Wildbahn, live und ungeschnitten, beeindruckt allerdings vor allem durch die Abwesenheit jeglicher Narrative. Es ist kurz nach halb acht Morgens. Die letzten rosa Schimmer verschwinden aus dem stetig tiefer werdenden Blau des Kalaharihimmels. Die Nacht war frisch, auf unserem Zelt lag Tau. Langsam nur wird es wärmer. Schweigend tuckern wir mit 27 Käfer-PS durch den Kgalagadi Transfrontier Park. Im Grenzgebiet von Südafrika und Botswana gelegen, ist er einer der größten zusammenhängenden Naturresevate der Welt. Trotz seiner Größe ist der Park wenig besucht. Seine Abgeschiedenheit und die rustikale Infrastruktur machen ihn für die großen Touristikanbieter eher uninteressant, und wer privat hierher will, muss im Great Karoo Meilen fressen. Die Landschaft karg, die roten Sanddünen bieten dem Auge wenig Tros. Flora und Fauna sind für ungeübte Augen weit weniger üppig als beispielsweise im Krüger Nationalpark. …

Im Käfer durch Südafrika

Im Nordwesten Südafrikas gibt es einige bemerkenswerte Straßen. Schnurgerade und wenig befahren, zerteilen sie die bizarre Landschaft aus Mondgeröll und rostbraunen Kegelbergen in Links und Rechts. Das Fahren ist entspannt, das Auge hat Zeit zum Wandern, genau wie die Gedanken. Der Horizont ist weit, der Himmel blau. Eine besonders schöne Strecke finde ich immer wieder die R 27, die man im Prinzip von Kapstadt bis nach Keimoes fahren kann, also fast 1000 Kilometer vom Grün des Kaps bis in das trockene Herz Südafrikas. Nach unserer ersten Etappe haben wir ein bisschen an Zuversicht in unseren Käfer gewonnen. Trotzdem versuchen wir, früh morgens in Nieuwoudtville los zu kommen, um der drohenden Überhitzung und einer resultierenden Kolbenschmelze vorzubeugen. Das fahle Morgenlicht fängt sich in vereinzelten Grasbüscheln, flach breitet sich die Ebene des Great Karoo vor uns aus. Das wir fast 1000 Meter hoch sind, merkt man nur an der klarkalten Luft und einem leichten Kopfschmerz, der aber auch auf die Gin Tonics des vergangenen Abends zurückzuführen sein könnte. Bis spät in die Nacht (das bedeutet: bis etwa …