Jahr: 2014

Südafrika: Bilanz nach 20 Jahren ANC-Herrschaft – Krisen, Skandale + Abstieg

Afro-Pessimisten ziehen ihr ideologisches Rüstzeug aus einer simplem Beobachtung: Es dauerte immer so um die 20 Jahre, bis in den meisten schwarz- afrikanischen Staaten nach der Unabhängigkeit die von den Kolonial-Mächten hinterlassene Infrastruktur zerbröselt war. Strom- und Wasserversorgung, Straßen- und Schienenwege, Schulen und Universitäten, Krankenhäuser und ambulante Versorgung. Stattdessen: vielfach Bürgerkrieg, oft weitere Verarmung, immer mehr Korruption und Kriminalität. Von Südafrika wurde etwas anderes erwartet Vieles sprach dafür, dass sich solches hier nach 1994 nicht wiederholen würde. Südafrika war eben anders als der Rest von Schwarz-Afrika. Die Infrastruktur war beispielhaft; Energie gab es im Überfluss zu Spott-Preisen; Industrie, Bergbau und Landwirtschaft waren auf internationalem Niveau; und vor allem hatte das Land ein paar Millionen bestens ausgebildeter Fachleute, die das Rückgrat von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bildeten. Wo steht Südafrika heute? Man muss sich nur einige der Entwicklungen des Jahres 2014 ansehen, um den beklagenswerten Zustand des Landes zu erkennen. Das Haushaltsdefizit, jahrelang auf bestem „Maastricht-Niveau“, bewegt sich auf 10% des BSP zu; die Steuereinnahmen brechen weg, u.a. aufgrund von nur 1,4% Wirtschaftswachstum; die Ausgaben für …

Gewaltkriminalität in Südafrika- neue Statistiken belegen weiteren Anstieg

Südafrika feiert heute seinen National Heritage Day. Es soll das reiche Erbe diverser Kulturen und Traditionen der Rainbow Nation zelebriert werden. Da passt es gut, wenn gleichzeitig an ein Erbe erinnert wird, das nun wirklich keinen Grund zum Feiern gibt: Das Erbe von Gewalt und Kriminalität, das so tief in diesem Land verwurzelt ist. Jedes Jahr Mitte September eröffentlich die Polizei (SAPS) die jährliche Kriminalitäts-Statistik, die den Zeitraum von April des Vorjahres bis März des laufenden Jahres erfasst, also immer reichlich hinterherhinkt. Und wieder ist eine Nation geschockt! Vor allem die Kontakt-Verbrechen haben erneut zugenommen: Mord + 5,0%, Versuchter Mord +4,6%, Schwerer Raub + 12,7%, Raub in Wohngebäuden +7,4%, Raub in Betrieben/Büros + 13,7%. Was sich hinter diesen Zahlen verbirgt, wird erst deutlich, wenn man sie in einen Kontext bringt. In den zwölf Berichtsmonaten wurden in Südafrika 17.068 Menschen ermordet; Spitzenreiter (in Proportion zur Bevölkerung) ist die Provinz Western Cape mit 2.909 Morden. Hier, in der „Parade-Provinz“ des Landes, werden also mehr Menschen ermordet als in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien und Polen zusammen! Es …

Südafrika hat gewählt – eine Analyse der Ergebnisse

Es waren am 7. Mai die fünften Wahlen nach dem Ende der Apartheid (1994, 1999, 2004, 2009 + 2014). Auf den ersten Blick würde man zur Ansicht kommen: Alles wie gehabt – der African National Congress (ANC) hat wieder mit großer Mehrheit gewonnen und wird weiterhin das Land fest im Griff haben. Bei genauerer Betrachtung kann man jedoch einige interessante Entwicklungen feststellen.  

Dalla Cia – Italienischer Spirit am Kap

Wer heute von südafrikanischen Weinen schwärmt, schwelgt gern in Erinnerungen an gehaltvolle, ausdrucksstarke und dennoch elegant strukturierte und ausgereifte Rotweine. In vielen Weingazetten, auf Websites und in Marketingbroschüren liest man, dass das Weinland Südafrika eine Brücke zwischen der Neuen und der Alten Weinwelt sei. Doch bis zum politischen Umschwung war es nur wenigen Weinmachern vergönnt, diese Brücke zu überqueren.

Enteignungen auf dem kalten Weg – eine Bedienungsanleitung aus Südafrika

Manchmal entstehen Nachrichten eher zufällig. Und oft wird die Brisanz dann zunächst gar nicht erkannt. So geschehen mit einem Papier aus dem Ministry for Rural Development & Land Reform. Es datiert vom 30. Juli 2013, wird als Policy Proposal bezeichnet und trägt den unverfänglichen Titel Strengthening the Relative Rights of People Working the Land.   Ein brisanter Politik-Vorschlag , der bislang fast unbeachtet geblieben ist.   Das Papier ist auf der Homepage des Ministeriums (www.ruraldevelopment.gov.za) nicht verfügbar (allerdings auf der Homepage eines Institute for Poverty, Land and Agrarian Studies der University of the Western Cape (UWC): www.plaas.org.za). Es hätte wohl auch noch keine Beachtung gefunden, wenn es nicht Gegenstand eines Workshop geworden wäre, der im März 2014 stattgefunden haben muss. Denn am 2. April 2014 meldete sich die Transvaal Farmers Union (www.tlu.co.za) auf ihrer Homepage mit einem Beitrag über diesem Workshop zu Wort. Die führende afrikaans-sprachige Wochenzeitung Rapport (Auflage: ca. 200.000) griff  die Meldung auf und ein paar andere Medien berichteten, unter Bezugnahme auf Rapport, nun ebenfalls. Der Sturm blieb aber aus. Entrüstet hat sich bislang …

Das politische Spiel mit der “Rassenkarte” in Südafrika

Es ist Wahlkampf. Da werden schon mal Äußerungen gemacht, die nicht ganz so ernst zu nehmen sind. Was sich aber in den letzten Tagen abgespielt hat, kann nicht nur als Wahlkampf-Rhetorik abgetan werden. Es zeigen sich – wieder einmal – tiefe Probleme im Umgang der Rassen miteinander. Deutlicher formuliert: Die Gefahr der schwarzen Dominanz scheint zu wachsen.   Die Lügen der Weißen zu Nkandla   Fangen wir mit einem Thema an, das nach wie vor die Medien in Südafrika und auch im Ausland stark beherrscht: Der Nkandla-Report (siehe meinen Beitrag vom 7. April 2014). Die Fakten sind eigentlich sehr klar. Der Public Protector hat mit großer Präzision auf 447 Seiten aufgezeigt, wie Präsident Jacob Zuma und seine Vasallen in Ministerien und im Öffentlichen Dienst den Staat ausgeplündert haben. Zuma ist „auf Tauchstation“ gegangen; einige seiner Vertrauten spielen den Skandal herunter; und einer spielt nun sogar die Rassenkarte. Die Rede ist von Blade Nzimande, General-Sekretär der Kommunistischen Partei (SACP) und Minister of Higher Education im Zuma-Kabinett. Zuma hat besonders loyale Gefolgsleute bei den Linken des Landes, …

Südafrika: Ein amerikanischer Traum am Kap der Guten Hoffnung …

… oder „Die Anfänge der Stellenbosch Farmers’ Winery“ Die Geschichte des William Charles Winshaw ist als durchaus filmreif zu bezeichnen: Im zarten Alter von zwölf Jahren beginnt er als mittelloser Ausreißer im amerikanischen Kentucky seine Suche nach dem Glück – und stirbt gut achtzig Jahre später als Eigentümer des größten Weinproduzenten Südafrikas, der Stellenbosch Farmers‘ Winery. Was für die USA die unbegrenzten Möglichkeiten, sind für Südafrika die unwahrscheinlichen Biografien. Angefangen bei der vielleicht bedeutendsten Einzelperson unserer Zeit, des für fast dreißig Jahre weggesperrten Nelson Mandela, der darauf Präsident und Versöhner eines neuen Südafrikas wurde, finden sich in diesem Land klassische und moderne Abenteurer, schillernde Gestalten, Aussteiger und Eroberer zuhauf. Gerade um die großen Weinfarmen ranken sich Liebes- und Geistergeschichten, Erfolgsstories und Tragödien, von denen so manche – begünstigt durch das Setting in einer dramatisch grandiosen Natur, der einzigartigen Architektur des Cape-Dutch Stils und die dem Weinanbau per se eigene Portion Romantik – Stoff für große Erzählungen sein könnten. Für den Reisenden ist das Westkap Südafrikas mit seinen Wein und Obst produzierenden Tälern auch heute noch ein besonders reizvolles Ziel. …