Monate: August 2009

Südafrika: Wiege der Menschheit?

Eigentlich ist das ja eine Metapher für jene Region, in der sich die Hominisation zugetragen hat, also die biologische Evolution und die frühe kulturelle Entwicklung der Gattung Homo. Dieser Tage zeigt sich diese Gattung sowohl biologisch als auch kulturell weitaus weniger entwickelt. Haben wir letzten Monat noch befürchtet, das Land am Kap würde vom lauten Vuvuzela Getröte taub werden, da müssen wir am Ende dieses Monats angesichts des muskulösen Körpers einer südafrikanischen Weltmeisterin um die Sehkraft der Menschen am Kap fürchten. Was ist da nur los in der Wiege und was haben wir eigentlich damit zu tun? Die Fakten: Während der Leichtathletik-WM in Berlin lief die 18-jährige Südafrikanerin Caster Semenya die 800-Meter in der sensationellen Zeit von 1:55,45 Min. Das ist Weltrekord! Bis drei Wochen vor der WM war Caster Semenya weitgehend unbekannt, bis sie kurz vor der WM die Szene mit einer Weltjahresbestzeit über die 800-Meter überraschte. Wer immer den WM-Lauf verfolgt hat, der stellte sich, wie die FAZ in Ihrer Ausgabe vom 20. August, die Frage: „Ist diese Lady eine Frau?“ Die online …

Wie „farbenblind“ ist Südafrika?

Am Kap ist eine Debatte über ethnische Zugehörigkeit und Ämtervergabe entbrannt. Minderheiten führen die Wirtschaftsressorts, Schwarze die Sicherheitsministerien. Julius Malema erfüllt manchmal die Funktion des Knaben, der laut ruft, dass der Kaiser keine Kleider trägt, während ringsum alle anderen betreten schweigen. Diesmal wunderte sich Malema, Chef der Jugendliga des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC), öffentlich darüber, dass alle Kabinettsposten, die mit Sicherheit zu tun haben, von „schwarzen Menschen“, aber alle Ministerien wirtschaftlicher Natur von Minderheiten verwaltet würden. Tatsächlich berief Präsident Jacob Zuma im Mai die beiden Inder Pravin Gordhan und Ebrahim Patel an die Spitze des Finanz- und des Wirtschaftsministeriums, den Weißen Rob Davies zum Handels- und Industrieminister und den Farbigen Trevor Manuel (die „Coloureds“ sind Kinder mit schwarzen und weißen Vorfahren) zum Minister für Nationale Planung. Mitte Juli ernannte er zudem die Weiße Gill Marcus zur neuen Chefin der Notenbank und damit zur Hüterin der Landeswährung Rand. Zuma, selbst ein Zulu, der sich offen und stolz zu Stammestraditionen einschließlich Polygamie bekennt, ficht nicht an, dass er damit vielleicht dem Vorurteil Vorschub leistet, wonach Schwarzafrikaner verschwenderisch mit …

Zapiro: Caster Semenya II.

Zapiros Sunday Times Karikatur vom 23. August 2009 trifft den Nagel auf den Kopf, denn fast alles bei diesem Thema ist verschwommen. Wo genau zieht man die biologische Grenze zwischen männlich und weiblich? Welcher Standard dient den Verantwortlichen bei der Definition einer weiblichen, förderwürdigen Sportlerin? Welche Tests genau sollen diese Fragen nun beantworten? Der Internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) berichtete, dass die Überprüfungen Wochen dauern werden. Durchgeführt werden diese Überprüfungen von einem Gynäkologen, einem Endokrinologen, einem Psychologen, ein Facharzt für innere Medizin und einem Geschlechts-Experten. Für weitere Zapiro Cartoons, besuchen Sie: www.zapiro.com Der Fall Caster Semenya aus der südafrikanischen Sicht: Welch ein skandalöses Verhalten in der Welt der Leichtathletik Laut dem Führer, der ANC Jugendliga, Julius Malema, ist die Entscheidung der International Amateur Athletic Federation (IAAF) die Läuferin Caster Semenya zu testen rassistisch und sexistisch. Man kann niemandem die Schuld geben für das was geschehen ist, aber es ist nicht Rassismus oder Sexismus, vielmehr ist es ein geradezu skandalöses Verhalten von der IAAF. Eifersüchtig reagieren vor allem die von Caster Semenya geschlagenen Läuferinnen aus Italien und Russland, …

Südafrika: Zwischen Wirtschaftskrise und Weltmeisterschaft

Seit der Veröffentlichung der Wachstumszahlen im Mai ist es amtlich: Afrikas größte Volkswirtschaft ist in die schlimmste Rezession seit siebzehn Jahren geschlittert. Allerdings mehren sich schon erste Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung. Und auch die Fußball-WM im nächsten Jahr wird positive Auswirkungen auf die Volkswirtschaft des Gastgeberlandes haben. Die globale Wirtschafts- und Finanzkrise hat auch vor Südafrika nicht Halt gemacht. Die exportorientierte Bergbau- und Automobilindustrie erlitt starke Einbrüche, und angesichts einer hohen Schuldenbelastung der Haushalte und steigender Arbeitslosigkeit schwächelt auch der private Konsum. Seit der Veröffentlichung der Wachstumszahlen im Mai ist es amtlich: Afrikas größte Volkswirtschaft ist in die schlimmste Rezession seit siebzehn Jahren geschlittert. Allerdings wird diese Rezession in ihrer Länge und Tiefe nicht mit den Rezessionen der 80er und 90er Jahre vergleichbar sein. Denn sie ist vor allem durch externe Faktoren und keine heimische soziopolitische Krise verursacht worden. Zudem gibt es schon erste positive Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung. Die starken Zinssenkungen der letzten Monate von rund 4,5% sowie fiskalische Stimulierungsmaßnahmen werden so zu einer Belebung des Wachstums schon in der zweiten Jahreshälfte beitragen. Nichtsdestotrotz …

Südafrika: 100 Tage Präsident Jacob Zuma

Da gab es Tausende in Südafrika, die verkündet hatten, das Land verlassen zu wollen, wenn Jacob Zuma (67) Präsident werden sollte. Sie konnten sich nicht vorstellen, von einem Mann regiert zu werden, dem ein so negatives Image anhing. Die meisten haben ihre Koffer wieder ausgepackt. Nicht etwa, weil Zuma über Nacht zum Saubermann geworden ist. Auch nicht, weil er sie mit einer neuen Politik überzeugt hätte. Die große Absetzbewegung fiel aus, weil Jacob Zuma sich seit dem Wahlsieg des ANC erstaunlich ruhig im Hintergrund hält. Man merkt kaum, dass da ein Wechsel im höchsten Staatsamt stattgefunden hat. Und bei vielen waren die Auswanderungsgelüste wohl auch eher unterentwickelt. Das Fazit der ersten 100 Tage kann am besten so formuliert werden: Es gibt nichts weltbewegend Neues in der Politik. Die neue Regierung hat keine wirklichen Akzente gesetzt. Der Präsident gibt sich zurückhaltend, mehr wie ein Staatsoberhaupt als ein Regierungschef. Oberste Devise ist: Nur keinen Fehler machen und nicht unangenehm auffallen. Die scharfen Töne überlässt man wie so oft anderen, nämlich dem Gewerkschaftsverband COSATU und der Kommunistischen Partei …