Monate: November 2007

Schlachtfeld Asphalt

Über die Risiken auf Südafrikas Straßen Wenn über die Risikofaktoren Südafrikas berichtet wird, steht die Kriminalität ganz oben auf der Liste – zu Recht. Kaum jemand aber erwähnt, dass es auch im Straßenverkehr ungemein gefährlich ist. Ich habe in meinem “Handbuch Südafrika” hierauf aufmerksam gemacht und kam mir vor wie ein einsamer Rufer. Die Zahlen zu den Verkehrstoten sind erschreckend. Gleichwohl hat das Thema Verkehrssicherheit in der öffentlichen Diskussion kaum eine Rolle gespielt. Dabei kann man sich gegen Verbrechen in einem gewissen Umfang schützen. Wenn man sich aber hinters Lenkrad setzt, sind die Möglichkeiten der Vorsorge schon begrenzt. Ich möchte die Dimensionen des Risikos mit einem Vergleich von Deutschland und Südafrika durch einige Zahlen aufzeigen: Verkehrstote 2004, 2005 + 2006 Deutschland 5.844 / 5.361 ( -8,2%) / 5.094 (-2,7%) Südafrika 12.664 / 14.135 (+10,6%) / 15.393 (+8,9%) Zugelassene Kraftfahrzeuge 2006 Deutschland 54.9 Mio Südafrika 8,5 Mio Schon die absoluten Zahlen zeigen das ungleich höhere Risiko auf südafrikanischen Straßen. Erschreckend ist auch der rasante Anstieg Opfer der letzten Jahre in Südafrika, während Deutschland von Jahr zu …

Halb voll oder halb leer?

Von Statistiken wird gesagt, sie seien wie Bikinis: Man könne viel sehen, Wesentliches werde aber verdeckt. Kein Wunder also, dass Politiker gerne mit statistischem Zahlenmaterial vermeintliche Erfolge belegen, die bei näherer Betrachtung aber eher ein Schuss in den Ofen sind. Oder doch zumindest die Frage aufwerfen, ob das Glass nun schon halb voll oder doch immer noch halb leer ist. Das Statistische Amt von Südafrika hat jüngst eine Erhebung veröffentlicht, die unterschiedlich interpretiert werden kann. Im Februar 2007 hatte die Behörde mit der Community Survey 2007 begonnen. 949.105 Personen in 246.618 Haushalten (alle repräsentativ für die hiesige Bevölkerung, also auch unter Einschluss der Weissen) sind zu verschiedenen Bereichen erfasst und befragt worden. Wenn man sich die wichtigsten Resultate betrachtet, könnte man glatt annehmen, sie würden aus einem der Armenhäuser dieser Welt stammen und nicht aus dem wirtschaftlichen Powerhouse Südafrika. Was soll man davon halten, dass im Südafrika des Jahres 2007 folgende Zustände amtlich belegte Realität sind? 29,5% aller Menschen (das sind fast 15 Millionen!) leben in Behelfsunterkünften, jenen Blechhütten, die auf Touristenfotos oft einen folkloristischen …

Rassenquoten im Sport

Der südafrikanische Weg zu repräsentativen Sportmannschaften Der Sieg der Rugby-Nationalmannschaft bei den Weltmeisterschaften in Frankreich am 14. Oktober hat in Südafrika die jahrelange Diskussion zum Für und Wider von Quoten im Sport neu entfacht. Das südafrikanische Team hatte im Finale 13 weisse und 2 farbige Spieler (Petersen und Habana) auf dem Feld, keinen einzigen schwarzen – für viele eine Provokation. Coach Jake White hatte sich in den vier Jahren seiner Amtszeit erfolgreich gegen den Druck von Politikern und Verbandsfunktionären gewehrt, das strikte Prinzip von Leistung zu verwässern und zum Zweck “politischer Korrektheit” die Zahl weisser Spieler zu limitieren. Nun hat eine überraschende Wende gegeben. Erst war es Sportminister Makhenkesi Stofile, der am 6. November vor dem Sportausschuss des Parlaments verkündete, das Quoten-System für National-Mannschaften müsse beseitigt werden. Zwei Tage danach folgte Staatspräsident Thabo Mbeki höchstpersönlich. In einer parlamentarischen Fragestunde hielt er ein heftiges Plädoyer gegen Quoten und für das Leistungsprinzip bei der Selektion von Spitzenteams. Und so ging die gute Botschaft gleich zweifach um die Welt: “quota system is out”. Das ist indes nur bedingt …

Vertrauenskrise nach der Suspendierung von Vusi Pikoli

Seit dem 24. September 2007 steht der Name Vusi Pikoli für eine Entwicklung in der südafrikanischen Politik, die man mit Sorge sehen muss. Die Beurteilung reicht von einem eher milden Kopfschütteln über ein dilettantisches Management in einer Personalfrage bis zur Ausrufung einer Verfassungskrise, die an die Grundfesten des Landes gehe. Schauen wir uns zunächst die Fakten an. Vusi Pikoli ist Direktor der National Prosecuting Authority (NPI), einer Art von Generalstaatsanwaltschaft. Ein Teil der NPI sind die “Scorpions”, eine hochqualifizierte Truppe von Ermittlern. Von Anfang an haben die NPI und ihre Scorpions spektakuläre Ermittlungserfolge erzielt, mit denen sie sich aber in der großen Politik nicht nur Freunde gemacht hatten. Pikolis Vorgänger Bulelani Ngcuka hatte das schon 2004 zu spüren bekommen, als er sich reichlich glücklos um Bestechungsvorwürfe im Zusammenhang mit Rüstungsgeschäften gekümmert hatte. Er war es, der die Entscheidung traf, Jacob Zuma nicht anzuklagen, obwohl es einen starken “Anfangsverdacht” gegeben hatte. So kam es, dass lediglich Zumas “Finanzberater” Schabir Shaik der Prozess gemacht wurde. Vusi Pikoli ist nun seit dem 24. September diesen Jahres suspendiert, und …